GERMAN WINTER

GERMAN WINTER

EINE DEUTSCHE WINTERREISE

26.11.13 – 04.01.2014 Vernissage: Dienstag,den 26.November ab 19 Uhr

Mit dem 1976 in Bney Brak, Israel, geborenen Benyamin Reich präsentiert die Werkstattgalerie einen jungen israelischen Fotografen, der seit einigen Jahren in Berlin lebt. Nach seinem Studium in Jerusalem und Paris beschäftigt er sich in verschiedenen Serien mit dem Leben ultraorthodoxer Juden seiner Heimat, dem Milieu seiner eigenen Kindheit und Jugend.

Damit eröffnete Benyamin Reich Einblicke in eine hermetische Welt, die bis heute von uralten, noch aus dem europäischen Mittelalter stammenden Traditionen geprägt ist. In seiner aktuellen Ausstellung nimmt er den Besucher mit auf eine Reise durch ein winterliches Deutschland, welches nur auf dem ersten Blick idyllisch wirkt. Auf subtile und ironische Weise fängt er ein allgegenwärtiges Unbehagen vor dem Hintergrund des Deutschen Mythos „Wald“ ein und geht der fiktiven Frage nach: who shoots Reich? Die Ausstellung behandelt das Thema Jagd und versucht, dieses Motiv vor dem Hintergrund vergangener Epochen der deutschen Geschichte und der Fotografie zu reflektieren. So verbindet sie pagane, gar barbarische Momente der germanischen Frühzeit mit christlich-jüdischen Motiven und Anklängen der deutschen Romantik und ihrer Märchenerzählkunst. Jedoch geht es Benyamin Reich nicht darum, dies in einer plumpen und offensichtlichen Weise zu vollführen; vielmehr möchte er all diese verschiedenen Zeit- und Raumebenen äußerst latent miteinander verbinden. Das die Ausstellung durchziehende Leitmotiv ist der deutsche Winter, in dessen Wäldern sich die Jagd verwirklichen soll. Dabei wurde der Winter und nicht der Sommer gewählt, da Reich zugleich die negative und düstere Konnotation der Jagd aufzeigen will. In weiteren Bildern gelingt es Reich ebenfalls, das Thema Jagd anzuschneiden ohne es explizit zu zeigen. Die vielen Naturbilder erinnern an Erzählungen und Märchen aus dem frühen 19. Jhd, die alle die Finsternis und Gefahr des Waldes verkörpern und aussprechen. Der Betrachter dieser Bilder fühlt sich in jene düsteren Wälder hineinversetzt und fürchtet sowohl die Tiere als auch den Jäger. Daher präsentiert sich auch gleich zu Beginn der Ausstellung ein Bild von Reich selbst, der in altmodischer Kleidung trotzend in die Gegend schaut und somit als Jäger aber auch als Gejagter seines Gegners, nämlich der Natur auftritt. Ihm Gegenüber erscheint ein nackter, uns den Rücken zukehrender Junge, der für den Kenner durchaus als Jude kenntlich ist. Er scheint in einer Opferrolle zu sein, denn so steht er vor der Wand und wartet auf das Unvermeidliche. Hier fängt Reich auch traditionelle Gegensätze zwischen Judentum und Deutschtum ein.